Städtebauliche Studie

Der Verein Dreieck Klybeck und die Wohngenossenschaft Klybeck haben 2018 einem vierköpfigen Architekturteam den Auftrag zu einer städtebaulichen Studie erteilt. Das Team hat vier verschiedene Varianten entwickelt.


DREIECK KLYBECK – STÄDTEBAULICHE VERTIEFUNGSSTUDIE

Ausgangslage und Ziele

Der Verein «Dreieck Klybeck» möchte ein ca. 2.3 ha grosses Areal zwischen der Klybeckstrasse und dem Altrheinweg langfristig zu einem gemeinschaftlich bewirtschafteten Wohn-, Werk- und Aufenthaltsort mit einem starken Bezug zum umliegenden Quartier transformieren. Die bestehenden Wohn- und Atelierhäuser an der Klybeckstrasse und am Altrheinweg liegen in der Bauzone 4 befinden sich seit 2004 im Besitz der Wohngenossenschaft Klybeck. Ein weit grösserer Teil des Areals liegt in der Industriezone und umfasst nebst Parkplätzen und sonstigen Freiflächen mehrere Bestandsbauten, die von der Landeigentümerin BASF nicht mehr genutzt werden.

Seit 2016 wird im Rahmen des gross angelegten Planungs- und Stadtentwicklungsprojekts «klybeckplus» von den beteiligten Planungspartnern – Kanton Basel-Stadt, BASF und Novartis – im Dialog mit der interessierten Öffentlichkeit abgeklärt, in welcher Form auf den vormals industriell genutzten Flächen von BASF und Novartis ein lebendiges Stadtquartier entstehen kann. An diesem Prozess möchte sich auch der Verein «Dreieck Klybeck» aktiv beteiligen: Auf dem ehemaligen Werkareal soll im westlichen Teil neuer Wohnraum geschaffen werden (WohnZone), während die bestehenden Industriebauten im Zentrum und im östlichen Teil nach und nach für gewerbliche und sozio-kulturelle Zwecke umgenutzt werden sollen (WerkZone, SozioKulturZone, GewerbeZone).

Der Verein «Dreieck Klybeck» wurde 2014 von einer Arbeitsgruppe aus dem Umfeld des Werkraum Warteck pp und der Wohngenossenschaft Klybeck gegründet mit dem Ziel, die bisherige Arbeit an der Visionierung dieses Vorhabens unter einem gemeinsamen Dach fortzuführen. Bei einem Treffen im Herbst 2017 wurde das Projekt einer langfristigen Neubelebung und Bewirtschaftung des betreffenden Areals den drei Planungspartnern von «klybeckplus» in seinen Grundzügen präsentiert.

Mit der städtebaulichen Vertiefungsstudie sollte im Hinblick auf ein weiteres Treffen, das Herbst 2018 stattgefunden hat, die Vorstellungen der Projektgruppe konkretisiert werden. Als dringlichste Aufgabe hat sich hierbei die Frage nach dem passenden städtebaulichen Grundkonzept herauskristallisiert. Insbesondere für die WohnZone im Westen des Areals gilt es genau zu klären, welche Flächen diese belegen soll und welche stadträumlichen und baulichen Typologien möglich, sinnvoll und wünschbar sind. Für das ganze Areal ist überdies von grosser Bedeutung, wie sich die Neubauten auf den – grösstenteils wertvollen und somit erhaltenswerten – Bestand beziehen und welche Freiräume sich daraus ergeben.

Die vorliegende Vertiefungsstudie, die von Januar bis Mai 2018 von einem vierköpfigen Planungsteam erarbeitet wurde, widmet sich diesen Fragen und gibt erste Antworten darauf.


Methode

Die städtebauliche Vertiefungsstudie zeigt vier Möglichkeiten auf, wie der dreieckige Perimeter im Norden des BASF-Areals zwischen Klybeckstrasse und Altrheinweg dereinst weitergebaut und umgestaltet werden könnte. Darin enthalten sind insbesondere Überlegungen zum Stadtraum, zu den Aussenräumen, zu baurechtlichen Fragen sowie zur Ausnutzung und den Grobkosten. Bewusst wurden alle Varianten auf der Basis von vergleichbaren Grundannahmen in Bezug auf den Bestand, die bauliche Dichte und das Nutzungsspektrum erarbeitet. Im direkten Vergleich können somit die unterschiedlichen städtebaulichen Konzepte bewertet und darauf aufbauend weitere Wünsche und Bedürfnisse der beteiligten Akteure formuliert werden.

Während die bestehenden Industriebauten auf dem Perimeter heute grösstenteils ungenutzt sind, bieten diese nach wie vor eine werthaltige und anpassungsfähige Grundstruktur für künftige Nutzungen. So werden hier im Wesentlichen vier verschiedene Konzepte für eine neue Bebauung im westlichen Teil des Areals, der WohnZone, im Kontext der bestehenden Wohnhäuser der Wohngenossenschaft Klybeck sowie der Industriebauten im östlichen Teil aufgezeigt. Als weitere Vorgabe wurde angenommen, dass die neue Bebauung im Rahmen der geltenden Vorschriften für die Zone 5a zu realisieren sei und das Areal dereinst eine gut abgestimmte Mischung aus Wohn- und Gewerbenutzungen sowie Freiflächen aufweisen soll. Demgegenüber wurden möglichst grosse Unterschiede in Bezug auf die städtebauliche Konfiguration gesucht: Zum Beispiel gilt es umsichtig zu klären, welche Bedeutung dem ursprünglichen Verlauf der Kleinhüningerstrasse beigemessen werden soll oder welche Bebauungs- und Freiraumtypologien bei der Entwicklung des Gebiets zu bevorzugen sind.

VerfasserInnen Vertiefungsstudie

Céline Baumann, Landschaftsarchitektin D.P.L.G.
Martin Josephy, Architekt und Stadtplanung Basel
Vesna Jovanovic, Dipl. Ing. Architketin
Martina Kausch, Architektin FH, MAS ETH ARCH/GTA

Das gesamte Dossier Städtebauliche Vertiefungsstudie Dreieck Klybeck kann auf Wunsch über mail@martinakausch.ch bezogen werden.



Plan A: HISTORISCHE STRASSE

Die historische Strassenführung am südlichen Ende der Kleinhüningerstrasse soll wieder hergestellt werden. Dieser Strassenabschnitt teilt den Planungsperimeter in zwei ungleiche Teile. Entlang dem Altrheinweg ergibt sich ein Block in Form eines langgezogenen Dreiecks, dessen nördlicher Abschluss von der bestehenden Wohnbebauung der Wohngenossenschaft Klybeck gebildet wird. Auf dem verbleibenden Teil dieses Blocks wird die für das ehemalige Arbeiterquartier typische Blockrandtypologie mit vier L-förmigen Volumen neu interpretiert. Differenziert ausgestaltete Wohnhöfe und Quergassen mit Blick auf den Rhein schaffen hier eine geborgene Atmosphäre. An der Südspitze der neuen Überbauung, wo die Kleinhüningerstrasse, der Altrheinweg und die verlängerte Mauerstrasse aufeinandertreffen, entsteht ein prominenter Knotenpunkt mit direktem Bezug zum Rhein. Mit einem beinahe auf null laufenden Gebäude – ähnlich dem Flat-Iron Building in New York – wird dieser Ort akzentuiert.
Im östlichen Teil des geteilten Perimeters entsteht ein grösserer, ebenfalls dreieckiger Block, wo die bestehende Bebauungsstruktur umgenutzt und sukzessive verändert bzw. erneuert werden kann. Die Wiederherstellung der historischen Strassenführung setzt jedoch voraus, dass der bestehende Bau K105 abgerissen wird. An dessen Stelle entsteht ein Quartierplatz mit chaussierten Grüninseln.


Plan B: BLOCKRAND IM DREIECK

Zwei neue Gebäudezeilen mit Vorgärten bilden zusammen mit den bestehenden Wohnbauten der Wohngenossenschaft Klybeck ein dreieckiges Ensemble um einen begrünten Innenhof herum. In dessen Mitte entsteht ein Hofgebäude, welches der Gemeinschaft dienen soll und als experimentelles Baumhaus angedacht ist. Ein weiterer Neubau wird an der südwestlichen Ecke des Perimeters in das orthogonale Industrieraster eingefügt. Während sich die beiden neuen Zeilenbauten in ihrer Dimensionierung auf die bestehende Bebauung an der Klybeckstrasse und am Altrheinweg beziehen (Zone 5a), könnte der neue Solitär und das gemeinschaftliche «Baumhaus» 25 bzw. 30 m hoch werden. Im südlichen Teil des Areals führen zwei baumbestandene Quergassen vom Horburgquartier zum Rheinufer. Bei diesem städtebaulichen Konzept sind innerhalb des Perimeters «Dreieck Klybeck» jedoch keine expliziten Strassenräume vorgesehen. Die Erschliessung und Durchwegung ist informell organisiert, so dass alle Aussenräume zum Aufenthalt und als Spielflächen genutzt werden können. In Nord-Süd-Richtung ist eine Kulturachse vorgesehen, die nicht nur dem «Dreieck Klybeck», sondern darüber hinaus auch dem südlich anschliessenden Quartier als zentraler Begegnungsraum dient.


Plan C: ORDNEN UND ERGÄNZEN

Mit zwei einfachen Volumen wird die bestehende Bebauungsstruktur im Planungsperimeter ergänzt und neu geordnet. Den Häusern der Wohngenossenschaft Klybeck wird ein U-förmiges Gebäude gegenübergestellt. Zusammen bilden diese einen Blockrand mit einem allseits geschlossenen Wohnhof. Südlich davon werden zwei frei stehende Industriebauten mit einem weiteren U-förmigen Gebäude gegen den Rhein hin gefasst. Auch hier spannt sich im Zwischenraum ein klar definierter Innenhof auf. In ihrer Grösse und räumlichen Anordnung ist diese Situation vergleichbar mit dem Warteck-Areal im Wettsteinquartier.
Bei diesem städtebaulichen Konzept ergeben sich die Erschliessungs- und weiteren Freiräume quasi von innen heraus: An drei Seiten des Areals liegen je gleichwertige Zugänge von den angrenzenden Strassen bzw. Wegen her. Ein grosszügiger öffentlicher Raum entsteht beim Restaurant Platanenhof an der Ecke Klybeckstrasse / Kleinhüningerstrasse. Ausgestattet mit einem Brunnen, mit grünen Inseln und einzelnen Bäumen wird dieser Ort zu einem Treffpunkt nicht nur für das «Dreieck Klybeck», sondern auch für das ganze Quartier.


Plan D: KOMPAKTE SOLITÄRE

Ausgehend von der orthogonalen Anlage der bestehenden Industriebauten wird die Bebauung des Areals mit weiteren Einzelvolumen ergänzt. Im Gegensatz zur herkömmlichen Blockrandstruktur führt diese Bebauungsform zu kompakten, nutzungsneutralen Gebäudetypen, die zugleich nach innen gerichtet und nach allen Seiten hin offen sind. Dementsprechend wird der Stadtraum nicht von langen Gebäudefluchten, sondern durch ein Zusammenspiel aus versetzten Gebäudeflanken und unterschiedlich dimensionierten Zwischenräumen charakterisiert. Diese Aussenräume sind als Baumhallen gedacht und dienen als informelle Erschliessungs- und Aufenthaltsbereiche. An der Schnittstelle zwischen dem orthogonalen Ensemble und der bestehenden Wohnbebauung an der Klybeckstrasse wird eine rechteckige Parkfläche, nach dem Vorbild der Josef Wiese in Zürich, ausgeschieden. Als stadträumliche Referenz bietet sich das Hunziker-Areal der Genossenschaft «Mehr als Wohnen» in Zürich an.